20. Mai 2011
Wie lernte ich Otto Groote kennen? Ganz einfach: Ich suchte nach plattdeutscher Musik,
um eine Lesung meines Buches Die Frau des Marschbauern zu untermalen. Kurz zuvor
war mir bei einer Lesung die Stimme ausgeblieben, und ich gedachte, in kurzen Päuschen
ein paar Takte passender Musik anzuspielen. Also googelte ich und fand auch reichlich
Einträge unter „Musik, plattdeutsch“. Das Meiste war eher unpassend: La Paloma und
Nordseewellen. Oder zu rockig. Plötzlich klickte ich auf das Otto Groote Ensemble.
Und war verzaubert. Ich sandte eine e-mail an Otto. Der war so erstaunt, dass jemand aus
Australien sich meldete, dass er mir umwendend zwei CDs zum Geschenk machte. Ich
revanchierte mich mit der Frau des Marschbauern ... and the rest is history. Eine
Brieffreundschaft entwickelte sich, Otto hatte die Idee: „Wir machen was
Gemeinsames!“ Margritt Kubik-Harms, die Innovatorin und Organisatorin extra-
ordinaire wurde eingespannt, und an einem blauen Frühlingtag etwa um halb sechs trafen
wir uns zum ersten Mal vor den Türen der Thalia Buchhandlung in Wittmund – Otto
mit seiner Gitarre, ich mit meinem Manuskript..
Frau Beuthner und ihr Team hatten sich selbst übertroffen sich selbst. Oben auf der
Galerie der Buchhandlung hatten sie eine ansprechende „Musikalische Lesebühne“
arrangiert. Später, als ich in kalten Hallen las, an Tischen, die nicht mal mit einem Tuch
bedeckt waren, geschweige denn von Leselampen oder Blumen geschmückt waren,
erinnerte ich mich oft wehmütig an das liebevolle Arrangement Frau Beuthners. An
diesem Abend, zum ostfriesischen Auftakt, las ich aus Die Stimmen der Villa Blanke
Hans. Und ohne das wir uns abgesprochen hatten, ohne Probe, begleitete Otto Groote die
Lesung. „Ich sing ein Lied zum Einklang“, sagte er, „dann liest du, und wenn du eine
Pause machen möchtest, gibst du mir nur ein Zeichen.“ Mit Feinfühligkeit, und sich ganz
und gar auf seine Intuition verlassend, sang er dann im richtigen Moment genau das
richtige Lied. Immer wieder fingen seine Töne, der Klang seiner Gitarre, der Text seiner
Lieder, die Gefühle und die Atmosphäre auf, die ich mit meiner Geschichte um die
Suche nach einer verschollenen Mutter hatte vermitteln wollen. Und als meine
Romanfigur, die ehemalige Internatsleiterin Frau Siegesdorf, sich einmal recht
herablassend über die Männer äußert, schmettert Otto Groote seine Version des Liedes
Amsterdam (orig. von Jacques Brel) heraus! Herrlich! Das Publikum, das die Galerie
leicht füllt, ist genauso begeistert wie ich.
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